St. Johanneskapelle   Zarten

 

 
         Bundesstraße 40.        Eigentümer ist die Kath. Pfarrgemeinde Stegen.
 
Der Himmelreich-Jakobusweg von Hüfingen bis Weil am Rhein.
                                                                       St. Johanneskapelle in Zarten ist Wegstation 6
 

ZARTEN, seit dem I. April 1974 in die Gemeinde Kirchzarten eingegliedert, gab eigentlich dem ganzen Talbecken den freundlichen Namen. Denn Ptolemäus, der berühmteste Astronom, Geograph und Mathematiker des  Altertums, der um 140 n. Chr. in Alexandria lebte, erwähnt in seiner "Geographica" eine Stadt namens TARODOUNON = Tarodunum, die Lorenz Oken in Zusammenhang mit dem Namen unseres Dorfes Zarten brachte, welches schon 765 als "Marcha Zardunense" erwähnt wird.

Den besten Überblick über das ganze Zartener Talbecken genießt man vom Otten oder von der Nordseite des Schauinslandmassivs. Sowohl der Ortsname wie auch das Gotteshaus der Zartener ist sehr alt, das in seinen ältesten Teilen ins II. Jahrhundert hineinreicht und immer eine der wichtigsten Filialen von Kirchzarten gewesen ist. 1958 wurde die Zartener Filialgemeinde der neu gegründeten Kirchengemeinde Stegen zugeteilt, was bis heute manche Zartener nicht ganz verdaut haben. Das an der Kurve der ehemaligen B 31 gelegene Gotteshaus, um welches bis ins 19. Jahrhundert hinein die Toten von Zarten begraben wurden, offenbart im Äußeren, ein gotisches Gepräge. Der Dachreiter ist freilich erst 1878 aufgesetzt worden. Damals wurde auch die Sakristei angebaut. An der Westseite schreiten wir durch das rundbogige Portal in das Innere. An der Südseite befindet sich ebenfalls ein rundbogiges Portal mit einer gotischen eisenbeschlagenen Tür, über welcher bei der letzten Renovation 1965 ein romanisches Rundbogenfensterchen freigelegt wurde, das ins 11.Jahrhundert reicht. An der Südseite ist eine Sonnenuhr aufgemalt, ebenso ein Doppelwappen, das Vorderösterreich und auf die Stadt Freiburg verweist. Eine kostbare barocke Ausstattung lächelt den Eintretenden an, und es wird verständlich, daß der Volksmund die Zartener Kapelle als das "Zartener Münster" bezeichnet. Gegen 200 Personen haben darin Platz. Da entdecken  wir aber zunächst anno 1965 frei gelegte Fresken,, Johannes d. Täufer und die hl. Margareta darstellend, die ins Mittelalter zu datieren sind.

Johannes der Täufer hat gewiß als Patron der Herden und der Hirten vielfaches Heimatrecht im Dreisamtal,  auch in der Kirchzartener Mutterkirche, ist aber auch in besonderer Weise der Schutzpatron der Johanniter, die im Jahre 1297 die große Pfarrgemeinde St. Gallus Kirchzarten aus den Händen Benediktinermönche von St. Gallen übernommen hatten, die Seelsorge aber meist durch Weltpriester und durch Pfarrvikare ausüben ließen. Zu Johannes dem Täufer, dem "Sommerhans," dessen Gedenktag am 24.Juni ist, gesellt sich als zweiter Patron Johannes der Evangelist, der "Winterhans" den man am 27. Dezember feiert. Das große Altarblatt stellt den Hauptpatron dar, wie er Jesus im Jordan tauft und im Aufsatz darüber Johannes den Evangelisten und Apostel. Ein bis jetzt. unbekannter Meister schuf in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Öl die ansprechenden Bilder.

Zur Linken am barocken Hochalter bleibt unser Auge an einer gelungenen Figur des hl. Blasius hängen, der bei Halskrankheiten und Blutungen, bei Blasenkrankheiten, Geschwüren und Koliken, gegen Pest und Zahnweh angerufen wird und der auch als Viehpatron die Haustiere, vor allem die Pferde schützen soll. Hubertus auf der rechten Seite mit dem Hirsch zu Füßen und als Bischof von Tongern-Maastricht mit dem Bischofsstab in der Hand, der Schutzpatron der Jäger und Forstleute, aber auch angerufen bei Viehkrankheiten und Rattenplage, ist in einer nicht weniger schönen Plastik im Gotteshaus gegenwärtig. Wer hat die beiden und den Altar geschaffen?


Entstammen die Figuren der aus Kirchzarten stammenden Künstlerfamilie Hauser? Anton Xaver Hauser, 1712-1772, könnte sie geschaffen haben. Restaurator Emil Geschöll ist der Ansicht, daß der Hauptaltar ursprünglich nicht für die Zartener Johanneskapelle bestimmt gewesen ist, und er bringt dafür Argumente ins Spiel. Der Altar sei wohl nach der allgemeinen Klosteraufhebung 1806 irgendwo frei geworden und nachträglich eingefügt worden. Aber Belege gibt es dafür keine. Auf den architektonisch guten linken Seitenaltar stellte man eine ums Jahr 1800 zu datierende jugendliche Immaculata, auf der rechten aber die schönste und ansprechendste Figur der ganzen Kapelle: St. Margareta. Mit guten Gründen darf man sie Mathias Faller in St. Peter zuordnen.

Margareta ist eine der 14 Nothelfer, und gerade sie wird verehrt als Schutzpatronin gegen alles Teuflische und Böse, auch gegen Schlangen und Blitzschlag. Ihr Gedenktag am 20. Juli ist ein wichtiger bäuerlicher Lostag. Auch Frauen rufen sie in Geburtsnöten an. Das alte Fresco macht schon kund, daß Margareta im Dreisamtal seit altersher verehrt wurde. Schon seitdem Mittelalter errichtet man tatsächlich der Heiligen in der Nähe von Sümpfen, Mooren und von allerlei Reptilien verseuchten Gebieten Kapellen. Und immer stellt man sie dar, wie sie dem Drachen, dem Höllenwurm den Kopf zertritt. "Barbara mit  dem Turm, Margareta mit dem Wurm und Katharina mit dem Radel, das sind die 3 heiligen Madel," so kennen unsere Ahnen das Dreigestirn unter den 14 Nothelfern.

Im Jahre 1984 erfuhr die Kapelle eine Gesamtinnenrenovation durch Restaurator Emil Geschöll aus Freiburg. Dabei entdeckte er eine mehrfach mit Öl übermalte Holzkassettendecke, die in langwieriger Arbeit wieder freigelegt wurde. Sie scheint vor 1700 entstanden zu sein. Eine neue Heizung wurde installiert, elektrische Leitungen verlegt, die Decke in der ganzen Kirche isoliert, schadhafter Verputz erneuert, die Figuren zum Teil  neu gefasst. Der eiserne Dachreiter trägt 2 Glocken. 1807 wurde schon von einer berichtet, im selben Jahr, als auf großherzogliche Anordnung das Gotteshaus abgerissen werden sollte. 1915 werden schon zwei Glocken erwähnt, von denen eine für Kriegszwecke abgeliefert werden musste. Pfarrer Anton Schwarz schaffte eine neue an, doch schon 1942 wurde sie wieder zur Ablieferung bestimmt. Unter Bürgermeister Alfons Pfändler wurde nach dem 2. Weltkrieg der Verlust wieder ergänzt, sodass nunmehr abermals zwei Glocken neben der lauten Straße zum wöchentlichen Gottesdienst rufen.

Am Christkönigssonntag, dem 25. November 1985, konnte Pfarrer P. Robert Herr dem gefälligen schmucken Kirchlein die Weihe erteilen.

 

Altehrwürdiges Heiligtum in unserer Pfarrei

Die Kirche von Zarten, die ecclesie in Zartunu

(Bernhard Mangei: Herrschaftsbildung von Königtum, Kirche und Adel zwischen Oberrhein und Schwarzwald, Inaugural-Dissertation, Freiburg i. Br., 2003, S. 93 ff),

ist die älteste Kirche des Dreisamtals. Sie ist in der merowingischen Zeit als so genannte fränkische Eigenkirche entstanden. Auch der Ort selbst, der bereits von den Kelten als die Stadt Tarodunum begründet wurde, hat über die Römer und Alemannen als Fränkisches Königsgut weitergelebt.

Die erste urkundliche Benennung aus dem Jahr 765 ist dem Ort Zarten zuzuschreiben. Die Entstehung der jetzigen Kapelle reicht in das 11. Jahrhundert zurück. Hiervon zeugt ein romanisches Fenster, das bei der großen Renovation 1984 wieder sichtbar gemacht wurde. Sie hat im Äußeren inzwischen ein gotisches Gepräge. Dachreiter und Sakristei wurden 1878 erbaut. An der Südseite befindet sich eine Sonnenuhr mit den Wappen von Vorderösterreich und Freiburg als Inhaber der Talherrschaft über mehrere Jahrhunderte. Im Innern sehen wir eine ansprechende barocke Ausstattung der Altäre. Der Hauptaltar wurde wohl im Rahmen einer Klosterauflösung in den Jahren um 1806 der Kapelle überlassen. Das große Altarblatt stellt Johannes den Täufer dar. Dessen Patrozinium wird am 24.06. gefeiert. Er ist der ältere Patron der Kapelle. Auf dem Bild darüber erkennen wir Johannes den Evangelisten und Apostel (Patrozinium am 27.12.).

Am Hauptaltar befinden sich Figuren des Hl. Blasius und des Hl. Hubertus. Auf den beiden Fresken im Altarraum, die sehr viel älter sind, sehen wir Johannes den Täufer und die Hl. Margareta. Die Seitenaltäre wurden für die Kapelle geschaffen. Auf dem linken Seitenaltar erkennen wir die jugendliche Immaculata (jungfräuliche Maria) und auf der rechten Seite die Hl. Margarete. Hier hat auch eine Holzfigur des Hl. Apostel Johannes Platz gefunden. Bei der Renovierung 1984 wurde u.a. die bemalte Holzkassettendecke freigelegt und instand gesetzt.

Im Frühjahr 1999 bekam die Kapelle einen zeitgemäßen Zelebrationsaltar. Erst im Jahr 2004 wurde im nicht zugänglichen Teil des Dachgeschosses der Kirche eine über 500 Jahre alte Sekkomalerei wiederentdeckt, die mittlerweile konserviert wurde. Diese Malerei über dem Chorbogen der Langhauswand stellt die „Beweinung Jesu" dar. Die Kapelle hatte ursprünglich ein Tonnengewölbe. Das Langhaus ist wohl der älteste Teil der Kirche.

Der jetzige Altarraum und somit der Chorbogen wurde erst später erstellt.

 

St. Johannes-Garten

Der St. Johannes-Garten wurde im Rahmen der Dorfentwicklungsmaßnahmen im Ortsteil Zarten in den Jahren 1987 – 1991 durch die Gemeinde Kirchzarten neu angelegt. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter des Botanischen Gartens Freiburg, Prof. Vogellehner, hat das Planungsbüro Allgayer durch Herrn Architekt Roeder die Idee entwickelt.

Die Erstbepflanzung hat der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Steinhart in Kirchzarten durchgeführt. Die Umgrenzungsmauer wurde ergänzt, eine Ruhebank und ein Brunnen neu errichtet. Es wurden verschiedene alte Grabsteine aufgestellt, die an den alten Friedhof erinnern sollen. Gartendenkmalpflegerische Gesichtspunkte und der historische Bezug standen dabei im Vordergrund. Die Besonderheit des Konzeptes liegt in der Auswahl der Pflanzen: Urformen von Stauden, Büschen, Sträuchern und Kräutern mit christlichem Symbolgehalt. Der Sichtungsgarten soll an die Tradition der Bauern- und Klostergärten erinnern. Die meisten Pflanzen hatten bereits in der vorchristlichen Zeit eine große Bedeutung, die von den Klöstern übernommen und vervollständigt wurden.

Walahfrid Strabo, von 842– 849 Abt auf der Insel Reichenau, hat die Bedeutung des mittelalterlichen Pflanzengartens umfassend beschrieben.


Unser Messner Felix Eith
 

Kirchlicher Förderverein e.V.

Glockengeläut

Öffnungszeit der Kapelle:

von 8.00 Uhr bis ca. 18.00 Uhr.