Chronik

 
 

Geschichte:

Wer von Freiburg in Richtung Stegen fährt, erblickt von weitem - wie einen Gruß zum Willkommen - den freistehenden 34 m hohen Glockenturm unserer Herz-Jesu-Kirche. Im Turm sind vier Glocken installiert. Sie wurden im Dezember 1965 in Heidelberg gegossen und am 17. März 1966 feierlich geweiht.

Als wohl ältestes Gebäude der Gemeinde steht im Park des Kollegs St. Sebastian die gotische "Kapelle zu Weiler". Als Teil einer fränkischen Siedlung im 8. Jahrhundert entwickelte sich aus dem "Weiler" das spätere Stegen. In dieser Sebastianskapelle, oftmals renoviert, befindet sich ein Sebastiansaltarbild aus dem 16. Jahrhundert, das auf die besondere Verehrung des Heiligen in unserer Gegend hinweist.

Die Einwohner von Zarten, Wittental, Attental, Unterbirken, Oberbirken und Rechtenbach gehörten früher zur Pfarrei Kirchzarten, die des Hauptortes zur Pfarrei Eschbach. Diese, 1787 eingerichtet, betreute die "Filiale" in Stegen mit. Die Einwohner von Stegen-Ort waren urkundlich „berechtigt", den Gottesdienst in der kleinen Sebastians-, später Schlosskapelle, zu besuchen (Die Herrschaft Weiler war zuletzt im Besitz der Grafen von Kageneck.)

Die Geschichte der Neuzeit begann mit der klösterlichen Niederlassung der Herz-Jesu-Priester in Stegen (1929). Der Wunsch nach einer eigenen Pfarrei - die Seelsorge sollte stets durch die Patres der Ordensgemeinschaft ausgeübt werden - wurde am 1. Dezember 1958 erfüllt. Es ist das Datum der Neugründung der Pfarrkuratorie Stegen mit den Gläubigen aus den Gemeinden und Ortsteilen Stegen, Wittental und Zarten.

In der Amtszeit von Pater Rektor Georg Haskamp wurde der Bau einer neuen Kirche geplant. Nach den Entwürfen des Freiburger Architekten Gregor Schroeder begann man im Jahr 1959 unter Pfarrkurat Pater August Dierker und seinem Nachfolger Pater August Stemann mit dem Kirchenbau, der durch Pfarrkurat Arno Bruder - auch im Inneren - in den Jahren 1961/1962 beendet wurde. Am 28.03.65 konsekrierte Erzbischof Dr. Hermann Schäufele den Neubau zu Ehren des allerheiligsten Herzens Jesu und des heiligen Märtyrers Sebastian. Reliquien der heiligen Märtyrer Justinus und Florentina sind in die Altarplatte eingeschlossen. In den nachfolgenden Jahren blühte das religiöse Leben in der Pfarrei auf. Nach dem Tode von Pater Arno Bruder im Oktober 1982, der 20 Jahre Seelsorger unserer Kirchengemeinde war, übernahm Pater Robert Herr am 1. Mai 1983 die Pfarrei. Ihm folgte Pater Siegfried Coldehoff, der von Februar 1998 - November 1999 Pfarrer in unserer Gemeinde war. Sein Nachfolger war bis zum 31.08.2005 Pater Franz Hoch. Mit ihm endete das Wirken der Herz-Jesu-Priester in Stegen.

Zum 01.09.2006 kam der Paulinerpater Roman Brud OSPPE aus dem Kloster St. Märgen in unserer Gemeinde und er wirkte hier 11 Jahre lang. Im Juli 2016 ging er zurück zu seinen Klosterbrüdern nach Todtmoos.

Bei der letzten Renovierungsmaßnahme fand der Altarraum die jetzige Form. Die Stele für den Tabernakel, der Ambo, der Osterkerzenständer und das Vortragekreuz wurden neu geschaffen.

In der St. Johanneskapelle von Zarten finden regelmäßig Gottesdienste statt. Die Feste des Jahreskreises werden feierlich gestaltet, nicht nur in der Pfarrkirche, sondern auch in den Kapellen der Umgebung. Zu einer Maiandacht bei der Schlangenkapelle auf der Höhe von Wittental wird in jedem Jahr eingeladen. Die Zartener begehen das Fest Christi Himmelfahrt, ihren „Herrgottstag", in der St. Johanneskapelle und ziehen zu den Hofkreuzen des Ortes. Das Herz-Jesu-Fest,

Das Patrozinium der Pfarrkirche, wird im Juni gefeiert. Anfang Oktober findet die Wallfahrt zu der nahe gelegenen Kapelle Maria Lindenberg statt. In der Marienkapelle begeht man diesen Feiertag mit einer Hl. Messe und einer nachmittäglichen Andacht.

Der Pfarrsaal neben unserer Pfarrkirche dient als Proben- und Gruppenraum. Auch kleinere Veranstaltungen finden hier statt. Im Untergeschoss des Pfarrsaals steht ab Herbst 2003 der Sebastianssaal als weiterer Raum zur Verfügung.

Die Veranstaltungen der Frauengemeinschaft und der Ökumenischen Erwachsenenbildung sind feste Bestandteile des reich gefüllten Terminkalenders. Immer wieder hat man bei den Festen und Feiern Gelegenheit zu Begegnungen und einem gemütlichen Beisammensein. Für das leibliche Wohl sorgen die Frauengemeinschaft, die Landfrauen, der Pfarrgemeinderat, der Peru-Kreis und die Bürger aus den Ortsteilen.

Der Kirchenchor, die Musikkapellen Wittental und Stegen, der Männergesangverein Zarten, die Feuerwehren und sonstige Vereine beteiligen sich am kirchlichen Gemeindeleben.

Auf die Bedürfnisse einer sich wandelnden Gemeinschaft haben sich die katholische und evangelische Kirche eingestellt. Mit dem Bau des Ökumenischen Gemeindezentrums im Jahr 1980 wurden die entsprechenden räumlichen Grundlagen geschaffen. Das Zentrum dient der Evang. Versöhnungsgemeinde als Gotteshaus, ist aber auch Veranstaltungs- und Tagungsort. Im Gemeindezentrum befinden sich die Bücherei und mehrere Gruppenräume. Das Haus ist auch Ausgangspunkt verschiedenster Aktivitäten zur Ökumene.

Unsere Pfarrgemeinde hat sich am 16.09.2007  mit der Pfarrgemeinde St. Jakobus in Eschbach und mit der Pfarrgemeinde St. Blasius in  Buchenbach zur Seelsorgeeinheit „Nördliches Dreisamtal“  zusammen geschlossen.

Zum 1.01.2015 wurde die Seelsorgeinheit Nördliches Dreisamtal mit der Seelsorgeinheit St. Gallus Kirchzarten zur nun neuen Seelsorgeinheit Dreisamtal zusammengelegt.

Sie setzt sich zusammen aus den Pfarreien

  • St. Gallus, Kirchzarten (mit den OT Burg)
  • Mariä Krönung, Oberried (mit den OT Zastler und St. Wilhelm)
  • St. Laurentius, Hofsgrund (heute OT Oberried)
  • St. Blasius, Buchenbach (mit OT Unteres Ibental, Wagensteig, Falkensteig)
  • Herz Jesu, Stegen (mit OT Zarten, Wittental und Attental)
  • St. Jakobus, Eschbach
 
 

Kirchengeschichte Dreisamtal

Der Pfarrbezirk

Die geschichtlichen Betrachtungen haben gezeigt, dass die umfangreiche Mark Zarten der alemannisch-fränkischen Zeit weiterlebt im Bereich der Pfarrei Kirchzarten, wie sie die Organisation der Diözese Konstanz im 8. Jahrhundert ins Leben rief. Von dieser Großpfarrei wurden im Zusammenhang mit der Erschließung des Schwarzwaldes im Mittelalter einige Randgebiete abgetrennt; am westlichen Talausgang bekam Ebnet 1631 (wieder) eine eigene Pfarrei, das ganze Dreisamtal blieb aber bei „seiner" Kirche, ebenso die Seitentäler in weitem Umfang. Erst das kritische 18. Jahrhundert fand es bei Überprüfung der bestehenden Verhältnisse untragbar, dass die Bewohner der längst schon volkreich gewordenen Randgebiete einen Weg von mehreren Stunden bis zu ihrer Pfarrkirche zurücklegen mussten. Darunter litt ohne Zweifel der Gottesdienstbesuch ebenso, wie die Seelsorge für den Pfarrer mühsam, manchmal sogar nahezu unmöglich war. Die Filialkirchen in den entfernteren Gemeinden boten nur einen schlechten Ersatz. Der Reformgeist des josefinischen Zeitalters wollte sie ohnehin überall abschaffen und das religiöse Leben auf die Pfarrkirche beschränken, dafür aber die einzelnen Sprengel so verkleinern, dass eine intensive Seelsorge gewährleistet war. In diesem Sinn verlangte schon 1777 eine kaiserliche Verordnung die Zerlegung der Großpfarrei Kirchzarten in zwei bis drei Teile. Dem folgte ein Verbot der Gottesdienste in den Filialkirchen; der Kaplan, der sie meist besorgt hatte, wurde ganz auf die Pfarrei verwiesen. Die Beschlüsse über die Umbildung der kirchlichen Organisation im Dreisamtal ergingen im Jahr 1786. Dabei entstanden nicht nur die neuen Pfarreien Oberried, Eschbach und Buchenbach. Zur Vereinfachung der Seelsorge wurde außerdem eine Anzahl von Zinken und Höfen an die schon bestehenden Pfarreien St. Peter, St. Märgen und Breitnau abgetreten, wenn die betreffenden Einwohner dorthin einen kürzeren Weg hatten. Im Zusammenhang mit diesem Pfarreinrichtungsgeschäft verlor Kirchzarten Teile der alten Großpfarrei. Die Zahl der abgetretenen Kirchspiel-Angehörigen betrug 3695, also über die Hälfte der Gesamtseelenzahl der alten Großpfarrei. Der verbleibende Rest von 2029 entsprach noch immer einer  überdurchschnittlich großen Pfarrgemeinde. Auch der räumliche Umfang war noch immer so groß, dass die Pfarrei nicht von einem Pfarrer allein versehen werden konnte. Deshalb übertrug die Regierung sogleich dem bis dahin selbständigen Kaplan in allen Einzelheiten die Aufgaben eines Hilfsgeistlichen, bis schließlich dieser Kooperator 1813 durch einen ständigen Vikar ersetzt wurde. Erst die nächste Verkleinerung der Pfarrei, die im Jahr 1958 den nördlichen Bereich mit Zarten, Attental, Wittental, Rechtenbach und Birken abtrennte und der neu errichteten Kuratie Stegen zuwies, machte den Vikar zur Not entbehrlich. Die Verhandlungen über die Durchführung der Teilung waren mühsam. Am einfachsten war noch die Regelung für Oberried, wo sich die Abgrenzung des Gebiets von selbst ergab und wo nicht nur eine Kirche samt Pfarrhaus zur Verfügung stand, sondern auch die gesamte Seelsorge den dortigen Patres übertragen werden konnte. Das geschah durch ein Hofdekret vom 30. September 1786. Dadurch wurden 1192 Einwohner aus dem Pfarrverband Kirchzarten losgelöst. Die Seelsorge lag nun bis 1807 bei den Patres des Priorats Oberried, von denen einer zum Ortspfarrer, ein anderer als Vikar bestimmt 21 wurde. Bei der Aufhebung des Klosters 1807 versah Pater Lukas Mayer die Pfarrei, ein bedeutender Gelehrter, der auch über das Kirchzartener Pfarrbuch von 1463 einen beachtlichen Aufsatz schrieb. P. Lukas blieb noch bis 1809 Ortspfarrer, dann folgte sein bisheriger Vikar, Pater Hermann Sauter. Für Eschbach gestalteten sich die Verhandlungen schwieriger. Um den Platz für die neue Kirche wetteiferte Stegen mit Eschbach. Schon 1783 weilte eine Kommission zwei Tage dort, um eine Entscheidung zu finden: Kammersekretär Stehle als landesfürstlicher Kommissar, Karl Berger, Pfarrer in Bollschweil, als Kämmerer des Ruralkapitels und bischöflichkonstanzischer Kommissar, der Kagenecksche Oberamtmann Dr. Amann sowie Vertreter aller betroffenen Gemeinden. Von den vorgeschlagenen Möglichkeiten fiel die Schlosskapelle in Stegen aus, da sie nur 50 bis 60 Menschen fasse und in ihrer Nähe kein Platz sei für Pfarrhaus und Friedhof. Der herrschaftliche Hof bot ebenfalls zuwenig Ausbaumöglichkeit, er war außerdem wegen seiner Lage am Bach zu feucht. Am besten schien der Platz geeignet, den der Vogt Johann Andreas bei seinem Hof gegen mäßige Entschädigung zur Verfügung stellte. Die Gemeinde Eschbach unterbot ihn jedoch, stellte einen Platz kostenlos zur Verfügung und entschädigte selbst den Besitzer Lorenz Bank, einen Sickingischen Untertanen. Dabei betonte sie noch, dass diese Stelle zentraler liege als Stegen. Gegen diese Argumente konnte auch das weitere Angebot des Grafen von Kageneck mit dem 500 Schritt vom Schloß entfernten Schafacker sich nicht durchsetzen. Ebenso wurde sein Eintreten für die Erhaltung der Wallfahrtskirche auf dem  Lindenberg nicht berücksichtigt, obwohl er mit Recht darauf hinwies, dass die Wallfahrt nicht allein am Bild hänge, sondern in erster Linie mit der Örtlichkeit verbunden sei und gänzlich zerfällt durch Zerstörung der Kirche; sie kann durch Transferierung des Wallfahrtsbildes nicht zur Pfarrkirche gezogen werden. Die Eschbacher erreichten ihr Ziel: Die Kapelle wurde abgebrochen, das Material zum Neubau in Eschbach verwendet. So wurde 1787 die neue Pfarrei mit 990 Seelen errichtet und der Benediktiner-Abtei St. Peter inkorporiert, die nun Pfarrer und Vikar aus den Reihen des Konvents stellen musste. Auch der Kirchenbau ging zu Lasten des  Klosters. An Stelle der alten Jakobuskapelle wurde in den folgenden Jahren eine neue Kirche gebaut und am 9. September 1791 eingeweiht. Die Sebastianskapelle im Schloss zu Stegen wurde der Pfarrei Eschbach unterstellt. Nach Eschbach kam auch eine Stiftung der Familie v. Moser, der die Herrschaft Weiler-Stegen  gehörte: Silberne Maßkännchen (1617) und ein rotes Maßgewand (1599). Auch die Schule in Stegen kam zur neuen Pfarrei Eschbach. Man beließ ihr aber noch eine Anzahl Kinder, die aus nahe gelegenen Höfen der Pfarrei Kirchzarten kamen und schon bisher die Schule in Stegen besucht hatten; deshalb musste der Pfarrer von Kirchzarten in Stegen einen Teil des Religionsunterrichts übernehmen. Noch in unserem Jahrhundert wechselten die beiden Pfarreien in dreijährigem Turnus miteinander ab. Erst 1958 wurde in Stegen eine eigene Kuratie errichtet, die der Pfarrei Kirchzarten abermals ein paar Orte abnahm. Auch Buchenbach wollte wie  Eschbach auf Kosten einer alten Wallfahrtskirche seine neue Pfarrkirche erbauen. Die Angriffe richteten sich gegen die Kapelle auf dem Giersberg und ihr Gnadenbild. Hinter diesem alten

Volksheiligtum stand aber die Gemeinde Kirchzarten; sie blieb in den langen Kämpfen siegreich. Auch für Buchenbach war die Errichtung einer eigenen Pfarrei 1786 beschlossen worden. Die Ausführung war aber hier schwieriger, weil die neue Pfarrei nicht wie Oberried und Eschbach einem bestehenden Kloster inkorporiert  werden konnte. Endlich wurde entschieden, die Neugründung aus den Mitteln des Kollegialstiftes zu Rheinfelden am Hochrhein zu finanzieren. Mit der Übertragung einer Kanokiatsstelle aus Rheinfelden kamen auch zahlreiche Meßstipendien nach Kirchzarten. Sie stammten aus früheren Klöstern vermutlich auch aus dem  Paulinerkloster Langenau (Südwürttemberg), dessen Vorgänger in engen Beziehungen zu Kaiser Barbarossa gestanden hatte. Unter diesen Jahrzeitstiftungen befanden sich nämlich auch die Auflagen, 30 Messen für diesen im Jahr 1190 gestorbenen Kaiser zu lesen. Diese Verpflichtung wurde später reduziert, in Buchenbach aber bis zur Gegenwart eingehalten. Bis Kirche und Pfarrhaus fertiggestellt waren, sollte ein Hilfspriester dahin gesetzet und selbem allda eine Wohnung gemiethet und ihm zugleich aus dem vorderösterreichischen Religionsfond wie einem Localkaplan 420 fl. Reichswährung angewiesen werden. Endlich konnte im Jahr 1795 ein kaiserliches Hofdekret die Durchführung der Organisation anordnen, Zur Pfarrei Buchenbach wurde im Wesentlichen das Wagensteigtal, das Ibental und das Höllental mit insgesamt 1120 Seelen zusammengefasst. Auch die Nikolauskapelle in Wagensteig und Falkensteig, die beide ihren kleinen Stiftungsfond besaßen, kamen zu der neuen Pfarrei. Zum ersten Seelsorger wurde Franz Josef Meyer, bisher Vikar in Munzingen, ernannt. Einen kleinen Überblick in die menschliche Seite dieser tiefgreifenden Verwaltungsmaßnahme gewähren uns die Abschiedsworte, mit denen Pfarrer Schleicher in Kirchzarten seine bisherigen Gläubigen am 3. April, dem Weißen Sonntag, 1796 aus dem alten Pfarrverband entließ: 
„Daher mache ich allen und denen aus benannten zur neuen Pfarre in Buchenbach bestimmten gegenwärtigen und abwesenden Buchenbachern, Falkensteigern, Wagensteiger, Wiesnecker und Ibentälern überhaupt und ins besondere bekannt: dass sie sich von hinan in allen sich auf die Seelsorge beziehenden Verrichtungen nicht mehr an das hiesige Pfarramt, von welchem sie von nun an feierlich entlassen seye sollen, sondern an die zu ihrer geistlichen Aushilfe bestimmten wohlehrwürdigen und hochgeehrten Herrn Franz Josef Meyer in Buchenbach zu wenden haben. Da aber in Buchenbach die nötigen Einrichtungen wegen Einweyhung des  Kirchhofs und Taufsteins noch nicht können getroffen werden, so biethe ich noch nicht zwar mehr als Pfarrer, sondern als nunmehriger Nachbar, bis zur gänzlichen Einrichtung meine nachbarlichen Dienste an, die ich Euch auch zu anderen Zeiten in Nothfällen nicht abschlagen werde, wenn es mir Euer neue Herr Seelsorger erlauben wird. Ich danke zugleich allen von nun an getrennten Pfarrangehörigen für die mit mir bereits zwei Jahre gehabte Geduld, und wenn ich ein oder den andern aus Ihnen sollte beleidigt haben, so bitte ich hiermit öffentlich um Verzeihung, betheuere zugleich öffentlich, dass ich an dieser Absonderung nicht nur keine  Schuld habe, sondern dass ich mich zu einer andern minder kostbaren und vielleicht noch dienlicheren Hilfleistung werkthätig, aber ohne Erfolg angeboten habe. Schließlich rufe ich allen zur neuen Pfarre in Buchenbach von nun an Gehörigen jene Worte des Heilands am Kreuz zu, die Er zu seinem neben dem Kreuz  stehenden getreuen Jünger Johannes gesprochen, da Er seine betrübte Mutter ihm anbefohlen: Ecce mater tua, sehet Eure Mutter, sehet Euere schon zum zweiten Mal geschwächte Mutterkirche an, sehet sie an, die einst beinahe 6000 Kinder zählte, seht sie an, welche Euch und Eure Väter und Mütter in ihren Schoß aufgenommen, mit den hl. Sakramenten versehen, mit dem Wort Gottes getröstet und in ihren Kränzen auch zur Ruhe gelegt hat. Und da Ihr Euch nun an eine ihrer Töchter, ihrer Filialkirchen, gleichsam vermählen werdet, so vergesset doch nicht, dass diese Kirche ehemals Eure Mutterkirche gewesen, vergesset nicht die Grabstätten Euerer Voreltern, Eurer Kinder, Eurer Geschwister, Befreundeten, Verwandten, Ehegenossen und Gutthäter, die auf diesem Kirchhof begraben liegen. Erfüllet die Absichten, welche man bey dieser Pfarreinrichtung gehabt, um Euch nämlich eine nähere und bequemere Gelegenheit zum Guten zu geben. Um Eueren Kindern einen besseren Unterricht im Christenthum und andern nützlichen und nothwendigen Kenntnissen beyzubringen, um Eure Schulen zu verbessern und Eure Kranken und Sterbenden besser zu besorgen. Ich wünsche euch von Herzen mit dem Heiland im heutigen Evangelio den Frieden und mit diesem alles Gute. Und wie ich Euch bey meiner Vorstellung als Pfarrer in Kirchzarten im Namen meines hochwürdigsten Bischofs von seinem Herrn Decan als Pfarrkinder empfangen habe, also übergebe ich Euch auch anheut dem wohlehrwürdigen Herrn Franz Joseph Meyer als dem Euch wohlverordneten nunmehrigen Seelsorger im Namen des  Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Im Jahr 1895 hat sich in Kirchzarten die erste Evangelische Kirchengemeinde gebildet.